Deutsches CO₂ Restbudget und Klimaschutzpläne

Als Scientists4Future haben wir uns vorgenommen, die Fridays4Future Proteste inhaltlich zu unterstützen. Hierzu bereiten wir für die Freitagskundgebungen kurze wissenschaftliche Vorträge vor, die am „Open Mic” der Kundgebung vorgetragen werden.

Hier der Pitch für den 05.07.2019:

Für heute haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie viel CO₂ Deutschland noch ausstoßen darf, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, ob die aktuellen Klimaziele ausreichen und inwiefern diese Klimaziele aktuell eingehalten werden.

Die Daten stammen aus drei Veröffentlichungen. Die CO₂-Restbudgets für die Welt stammen aus dem IPCC SR15 Bericht [1], die Klimaziele der Bundesregierung stammen aus dem Klimaplan 2050 [2] und die aktuelle Prognose des BMU aus dem Projektionbericht 2019 [3].

Zunächst muss man sich überlegen, wieviel des CO₂-Restbudgets der Welt Deutschland verbrauchen darf. 2016 beliefen sich der deutsche Anteil an den weltweiten Emissionen auf 2,2 %, legt man jedoch die Bevölkerung zu Grunde, entfallen auf Deutschland nur ca. 1,1 %.

In der ersten Grafik sehen wir die CO₂-Emissionen pro Jahr in Deutschland, in schwarz die gemessenen Emissionen seit 1990. Blau stellt die im Klimaplan 2050 aufgestellten Ziele da. Wir dachten, man könnte als Worst-Case-Szenario annehmen, dass wir weiter wie bisher unsere Emissionen reduzieren, das ist die rote Linie, extrapoliert aus den Daten zwischen 2000 und 2018. Dann haben wir den Projektionbericht der Bundesregierung gelesen und die hier veröffentlichten Zahlen sind sogar noch deutlich höher. Aktuell hält die Bundesregierung also nicht nur ihre eigenen Ziele nicht ein, die Vorhersage ist sogar schlechter als ein einfaches „Weiter so”!

Wichtig für das Erreichen der Klimaschutzziele und Abwenden einer Klimakatastrophe ist das gesamte ausgestoßene CO₂. Der IPCC SR15 Bericht definiert Obergrenzen für die Welt, die bei 66 % der berechneten Modelle ausreichend sind, um die Erwärmung auf 1,5°C bzw. 2°C zu beschränken. Aus den Emissionen pro Jahr haben wir nun die Gesamtemissionen bis 2050 berechnet, diese sind in der folgenden Abbildung dargestellt.

Hier gehen wir davon aus, dass Deutschland weiterhin 2,2 % der Weltemissionen ausstößt. Die Ziele der Bundesregierung würden das 1,5°C-Ziel im Jahr 2032 überschreiten, die lineare Fortsetzung des aktuellen Trends nur knapp das 2°C Ziel erreichen und für den aktuellen Trend des BMU ist selbst das Erreichen des 2°C Ziels fraglich.

Die folgende Grafik zeigt die gleichen Verläufe zusammen mit den Grenzen, die sich ergeben, wenn man für den deutschen Anteil am Restbudget die Bevölkerung zu Grunde legt.

Es zeigt sich deutlich, dass in allen Szenarien weder das 1,5°C noch das 2°C Ziel erreicht werden kann.

Fazit:

In den tatsächlichen Zahlen zu den deutschen CO₂-Emissionen zeigt sich ein langsamer linearer Trend. Dieser Trend führt in Deutschland erst in ca. 80 Jahren zu CO₂-Neutralität.

Die Ziele der Bundesregierung zur CO₂-Reduktion sind nicht ambitioniert. Das Erreichen des 2°C Ziels ist selbst nach den durch die Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studien fraglich.

Setzt man nur annähernd faire Bedingungen zur globalen Verteilung der Restbudgets an, zerfallen alle erkennbaren Ziele. Der politische Optimismus, die aktuell gesetzten Ziele reichten aus, leiten sich aus der Annahme ab, dass insbesondere kleinere und weniger industrialisierte Staaten die erhöhten Emissionen der Industrienationen akzeptieren und selbst in der Lage sind, ihre eigenen Emissionen im gleichen Tempo zu reduzieren.

Diese Annahme erscheint aus wissenschaftlicher Sicht unrealistisch.

Daten und Software um die Plots zu erstellen sind verfügbar in unserer Github-Organisation. Mit dem Binder Service kann das Jupyter Notebook direkt im Browser ausgeführt werden, ohne das etwas installiert werden muss: Binder

  1. IPCC SR 15 Bericht, Tabelle 2.2, Seite 108
  2. Klimaplan 2050
  3. Projektionbericht 2019