Scientists4Future Dortmund

Seit mehreren Monaten demonstrieren Schüler*innen in Deutschland und Europa für mehr Klimaschutz, insbesondere den Einhalt des Pariser Klimaabkommens.

Über 26.800 Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben die Scientists4Future Stellungnahme unterzeichnet, die sich klar hinter die Position der Schüler*innen stellt.

Auch in Dortmund hat sich eine Lokalgruppe der Scientists4Future gegründet, um die Fridays4Future Bewegung hier zu unterstützen.

Wer mitmachen möchte, hat aktuell die Möglichkeit sich für den Email-Verteiler einzutragen oder unseren Telegram Gruppen (Info bzw. Diskussion) beizutreten.

Nächster Streiktermin

📆 :

Neuigkeiten

Wege zur systematischen Nachhaltigkeit? - Kolloquium mit Prof. Dr. Marc Timme

Für den 29.10.2019 haben wir Prof. Dr. Marc Timme von der TU Dresden zu einem Kolloquium eingeladen. Er wird um 16:30 Uhr im HG 2, HS 2 im physikalischen Kolloquium den Vortrag “Paradoxa, Anomalien und Grenzen der kollektiven Dynamik von Energiesystemen – Wege zur systematischen Nachhaltigkeit?” halten. Alle Interessierten sind eingeladen.

Abstract zum Vortrag:

Im Jahr 2015 haben die Vereinten Nationen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung festgelegt, die bis 2030 für den Planeten Erde und seine Bewohner, einschließlich der Menschen, erreicht werden sollen. Was bedeutet dies aus der systemischen Perspektive der Physik? Viele der Ziele, wie Klimaschutz, nachhaltige Städte und saubere Energie, beruhen auf neuartigen Technologien, die unter gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingesetzt werden. In diesem Vortrag lernen wir, warum zusätzlich ein systemisches Verständnis für die angemessene Planung und den Betrieb solcher Technologien erforderlich ist, um sie wirklich nachhaltig zu gestalten. Wir illustrieren dies an einigen Beispielen, die einer Analyse aus dem Blickwinkel der Physik zugänglich sind.

  • Erstens Energieübertragungsnetze, bei denen das Hinzufügen neuer Übertragungsleitungen zu Systemausfällen aufgrund des Braess’schen Paradoxons führen kann.
  • Zweitens Photovoltaiksysteme, dessen Amortisationszeiten meist auf der Grundlage einzelner Anlagen berechnet wird, dessen Amortisationszeit der Klimawirkung allerdings stark durch die systemweite Zubaudynamik aller Anlagen gemeinsam bestimmt ist.
  • Drittens kann eine Beschränkung des Klimawandels mit dem derzeitigen Wirtschaftssystem prinzipiell nicht erreicht werden, da langfristig die direkte Erwärmung aufgrund des ersten Hauptsatzes der Thermodynamik die Atmosphärentemperatur auch ohne jegliche Treibhausemissionen massiv aus dem Gleichgewicht bringen würde.

Auf Grund dieser und anderer Punkte ist eine Berücksichtigung der vollständigen, kollektiv selbstorganisierten Dynamik solcher Systeme essentiell, um echte systemische Nachhaltigkeit zu erreichen - und damit eine langfristige energetische Balance unseres einzigen Planeten.

Aktion Stadtradeln

Mit einer spontanen Aktion waren die Scientists4Future Dortmund am Freitag auf den Parkplätzen der Universität unterwegs um auf die Aktion Stadtradeln in Dortmund hinzuweisen.

Ziel der Aktion ist es Freude am Radfahren zu vermitteln und so letztlich mehr Menschen zum Umstieg auf die klimafreundliche Alternative zum Auto zu bewegen.

Das Stadtradeln startet am Montag den 02.09.2019 and geht bis zum 22.09.2019. Die Dortmunder “For Future” Gruppen radeln zusammen im Team “2gether for Future Dortmund “.

Deutsches CO₂ Restbudget und Klimaschutzpläne

Als Scientists4Future haben wir uns vorgenommen, die Fridays4Future Proteste inhaltlich zu unterstützen. Hierzu bereiten wir für die Freitagskundgebungen kurze wissenschaftliche Vorträge vor, die am „Open Mic” der Kundgebung vorgetragen werden.

Hier der Pitch für den 05.07.2019:

Für heute haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie viel CO₂ Deutschland noch ausstoßen darf, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen, ob die aktuellen Klimaziele ausreichen und inwiefern diese Klimaziele aktuell eingehalten werden.

Die Daten stammen aus drei Veröffentlichungen. Die CO₂-Restbudgets für die Welt stammen aus dem IPCC SR15 Bericht [1], die Klimaziele der Bundesregierung stammen aus dem Klimaplan 2050 [2] und die aktuelle Prognose des BMU aus dem Projektionbericht 2019 [3].

Zunächst muss man sich überlegen, wieviel des CO₂-Restbudgets der Welt Deutschland verbrauchen darf. 2016 beliefen sich der deutsche Anteil an den weltweiten Emissionen auf 2,2 %, legt man jedoch die Bevölkerung zu Grunde, entfallen auf Deutschland nur ca. 1,1 %.

In der ersten Grafik sehen wir die CO₂-Emissionen pro Jahr in Deutschland, in schwarz die gemessenen Emissionen seit 1990. Blau stellt die im Klimaplan 2050 aufgestellten Ziele da. Wir dachten, man könnte als Worst-Case-Szenario annehmen, dass wir weiter wie bisher unsere Emissionen reduzieren, das ist die rote Linie, extrapoliert aus den Daten zwischen 2000 und 2018. Dann haben wir den Projektionbericht der Bundesregierung gelesen und die hier veröffentlichten Zahlen sind sogar noch deutlich höher. Aktuell hält die Bundesregierung also nicht nur ihre eigenen Ziele nicht ein, die Vorhersage ist sogar schlechter als ein einfaches „Weiter so”!

Wichtig für das Erreichen der Klimaschutzziele und Abwenden einer Klimakatastrophe ist das gesamte ausgestoßene CO₂. Der IPCC SR15 Bericht definiert Obergrenzen für die Welt, die bei 66 % der berechneten Modelle ausreichend sind, um die Erwärmung auf 1,5°C bzw. 2°C zu beschränken. Aus den Emissionen pro Jahr haben wir nun die Gesamtemissionen bis 2050 berechnet, diese sind in der folgenden Abbildung dargestellt.

Hier gehen wir davon aus, dass Deutschland weiterhin 2,2 % der Weltemissionen ausstößt. Die Ziele der Bundesregierung würden das 1,5°C-Ziel im Jahr 2032 überschreiten, die lineare Fortsetzung des aktuellen Trends nur knapp das 2°C Ziel erreichen und für den aktuellen Trend des BMU ist selbst das Erreichen des 2°C Ziels fraglich.

Die folgende Grafik zeigt die gleichen Verläufe zusammen mit den Grenzen, die sich ergeben, wenn man für den deutschen Anteil am Restbudget die Bevölkerung zu Grunde legt.

Es zeigt sich deutlich, dass in allen Szenarien weder das 1,5°C noch das 2°C Ziel erreicht werden kann.

Fazit:

In den tatsächlichen Zahlen zu den deutschen CO₂-Emissionen zeigt sich ein langsamer linearer Trend. Dieser Trend führt in Deutschland erst in ca. 80 Jahren zu CO₂-Neutralität.

Die Ziele der Bundesregierung zur CO₂-Reduktion sind nicht ambitioniert. Das Erreichen des 2°C Ziels ist selbst nach den durch die Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studien fraglich.

Setzt man nur annähernd faire Bedingungen zur globalen Verteilung der Restbudgets an, zerfallen alle erkennbaren Ziele. Der politische Optimismus, die aktuell gesetzten Ziele reichten aus, leiten sich aus der Annahme ab, dass insbesondere kleinere und weniger industrialisierte Staaten die erhöhten Emissionen der Industrienationen akzeptieren und selbst in der Lage sind, ihre eigenen Emissionen im gleichen Tempo zu reduzieren.

Diese Annahme erscheint aus wissenschaftlicher Sicht unrealistisch.

Daten und Software um die Plots zu erstellen sind verfügbar in unserer Github-Organisation. Mit dem Binder Service kann das Jupyter Notebook direkt im Browser ausgeführt werden, ohne das etwas installiert werden muss: Binder

  1. IPCC SR 15 Bericht, Tabelle 2.2, Seite 108
  2. Klimaplan 2050
  3. Projektionbericht 2019

Warming Stripes - Was bedeuten eigentlich die Streifen auf unserem Banner?

Als Scientists4Future haben wir uns vorgenommen, die Fridays4Future Proteste inhaltlich zu unterstützen. Hierzu bereiten wir für die Freitagskundgebungen kurze wissenschaftliche Vorträge vor, die am „Open Mic” der Kundgebung vorgetragen werden.

Hier der Pitch für den 28.06.2019:

Vor vier Wochen hat sich hier die Dortmunder Lokalgruppe der Scientists4Future gegründet. Wir möchten euch in eurem Vorhaben unterstützen und zur Diskussion einladen.

Auf der Demo vor zwei Wochen und auch bei der Großkundgebung in Aachen haben wir unser Banner gezeigt.

Als ersten Beitrag möchten wir nun erklären, was es eigentlich mit diesen bunten Streifen auf sich hat. Diese Grafik wurde erstmals von Ed Hawkins auf seinem Climate Lab Blog [1] verbreitet und ist nun Teil der Aktion „Show your Stripes” [2], die diese Grafik für alle Länder der Erde zur Verfügung stellt.

Jeder Streifen steht für ein Jahr, von 1880 bis 2018. Die Farbe sagt uns, wie viel wärmer ein Jahr im Vergleich zum Mittelwert des Zeitraums 1951-1980 war. Das dunkelste Rot steht hier für ca. 1°C wärmer, das dunkelste Blau für 0.5°C kühler als dieser Mittelwert.

Bestimmt wurde dies aus weltweiten Daten der Luft- und Wassertemperaturen. Die Daten können NASA von der Homepage [3] heruntergeladen werden.

Der Trend ist klar und bedrohlich. Bereits heute ist es ca. 1 Grad wärmer als noch vor 50 Jahren.

Etwas besser lässt sich die Situation sogar noch erkennen, wenn man die Farbachse so definiert, dass weiß genau 0°C, also dem Referenzwert von 1951-1980 entspricht. Die Grafik mit Jahreszahlen und Farb-Legende seht ihr oben. Das Programm, welches die Daten herunterlädt und die Grafik erstellt, ist auf unserer Github Seite [4] zu finden.

  1. E. Hawkins
  2. Show your Stripes
  3. NASA Climate
  4. Python Code zum Erstellen der Grafik

Mitstreiter